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gleich-wieder-da.de – ein Paar in der Lebensmitte umrundet die Welt

Was andere gern nach bestandener Abschlussarbeit machen, wagten Klaudia und Frank mit Anfang 40: eine Weltreise. Entgegen der landläufigen Meinung brachen die beiden aber nicht auf, um etwas hinter sich zu lassen. Viel mehr ging es ihnen um neue Blickwinkel und darum, „von außen mit etwas Abstand auf das Gewohnte zu schauen“. Außerdem nahmen sie sich vor, sich Zeit zu nehmen für „Ziele, die nicht im TUI-Katalog stehen“. Es ist ihnen gelungen.

I am going to the West …

Der Job wurde gekündigt, die Wohnung aufgegeben, das Auto verkauft. Nur der Hausrat blieb da. Luxusgegenstände adé. Worüber definiert man sich, wenn man alles entweder zurückgelassen oder verschenkt hat? Klaudia und Frank reisten 482 Tage lang Richtung Westen. Von den USA bis nach Indonesien. Das Hurra-Gefühl kam anfangs eher zögerlich: Als die beiden Ende April 2008 das riesengroße Los Angeles erreichten, hatten sie zunächst mit Erkältung, Hitze und Jetlag zu kämpfen – zu allem Überfluss wurde auch noch die Kreditkarte geklaut. Ruhiger wurde es erst einige Tage später. Die Großstäde L.A. und San Diego waren durchquert, das Wohnmobil wurde langsam wohnlich, die Straßen länger, die Wüste kam näher.

Cowboys, Canyons, Casinos

Nachdem Arizona – das Land der Goldsucher, Cowboys und Cowgirls – durchquert war, und die Wüstennächte überstanden waren, wurden die beiden beim Besuch des Grand Canyon fast zugeschneit. In Las Vegas wurden einige Scheine verspielt, die Furcht vor den Bären im Yosemite Nationalpark überwunden, San Francisco wurde erkundet, man schnupperte (als Besucher) Gefängnis-Atmosphäre auf Alcatraz. Eine Reise durch die USA scheint den Horizont enorm zu erweitern. Fasziniert hat die beiden nicht nur die endlose Weite der Landschaften. Auch, dass es deutlich(!) mehr Indianerstämme gibt als gedacht und dass die Amerikaner weitaus kontaktfreudiger sind als die Europäer, gehörte zu den angenehmen Überraschungen.

Wo geht‘ s hier zum ‚wirklichen‘ Leben?

Zu den eher unangenehmen Überraschungen zählte dann die Besichtigung der Mayaruinen in Mexiko. Die übermäßige touristische Erschlossenheit empfanden die beiden bald als grenzwertig. Auch die absurde Kluft zwischen den alten, ‚authentischen‘ Vierteln der Einheimischen und den neuen, glatt polierten Touristen-Meilen rückte in Latein- und Südamerika stark in den Vordergrund: „In den Stadtmauern hat es ein Aufhübschungsprogramm ersten Ranges gegeben. Ein Juwelier am nächsten.“ Das wirkliche Leben zeigte sich dann außerhalb der Stadtmauern in Form von ewigen Baustellen, einfachen Hostels und Restaurants, einem etwas strengen Geruch auf der Straße, Kriminalität und Abwesenheit von Polizei.

Vom Touristenmagnet in die freie Wildnis

Einen Überdruss an touristischer Infrastruktur gab es auch am Machu Picchu, der heiligen Stadt der Inkas. Für die Touristen wurde dort sogar ein eigenes Dorf errichtet, das nur dazu diente, den Geldbeutel zu erleichtern. Bei der 4-tägigen Flusstour durch den bolivianischen Amazonas war von Tourismus allerdings nichts mehr zu spüren: Die Lecks in dem einfachen Holzboot wurden mit Lehm gestopft, die Nahrungsmittel (auch Fleisch) am Bootsrand in der Sonne gelagert. Geschlafen wurde im Boot, aus Angst vor Krokodilen. Um sich abseits der touristischen Trampelpfade zu bewegen braucht es Mut, und den kann man im Blog von Klaudia und Frank immer wieder zwischen den Zeilen lesen.

Neuland am anderen Ende der Welt

Ende Oktober 2008 reisten die beiden nach Samoa, im November nach Australien. Die Australier erwiesen sich als sehr locker. Nicht nur im Supermarkt läuft man dort gern mal oben ohne herum. Ins Wasser geht man allerdings ab Oktober nur noch im Ganzkörperanzug, um sich vor den Quallen zu schützen. Übersättigt vom Körperkult der Beach-Surfer-Kultur zog es die beiden schnell ins Outback. Dörfer, die nur aus einer Tankstelle, einem Supermarkt, einem Motel und einem Campingplatz bestehen – was macht man hier eigentlich den ganzen Tag lang? Eine existenzielle Frage.

Mut zur Weltreise abseits der Touri-Meilen

Klaudia und Frank haben sich auch dahin getraut, wo es vorher noch keine Trampelpfade gab. Die Gelassenheit musste aber, besonders später in Indien, hart erkämpft und der Kulturschock zunächst überwunden werden. Gewöhnt man sich je an das Zuviel an Farben, Geräuschen, Gerüchen, Berührungen, Menschen, Schicksalen, Hitze, Autos, Rikschas?
Dass der Massentourismus teilweise skurrile Züge annimmt, zeigt dieser Blog auf beeindruckende Weise. Er zeigt aber auch, dass es nie zu spät ist, um aufzubrechen, Vorurteile loszuwerden und endlich die Welt kennenzulernen.

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