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Reisen für Menschen mit Behinderung

Die Vorbereitungen für eine Urlaubsreise verstärken die Vorfreude und lassen erste Ferienstimmung aufkommen. Allerdings müssen auch unterschiedliche Dinge bedacht werden: Neben der Anreise und dem Aufenthalt am Zielort wollen auch Ausflüge geplant und das Kulturprogramm berücksichtigt werden. Insbesondere für Menschen mit Behinderungen bedeutet dies viel Aufwand. Welche speziellen Anforderungen müssen bei der Anreise bedacht werden? Wie findet man ein Hotel, das den eigenen Ansprüchen gerecht wird und was ist zu tun, wenn man besondere Pflege benötigt? Wir geben Ihnen wertvolle Tipps, damit Ihr Urlaub wie geplant verläuft und Sie in Ruhe entspannen können.

Bedürfnisse klären

Damit Sie eine wirklich passende Reise zusammenstellen beziehungsweise buchen können, ist es wichtig, sich vorher genaue Gedanken über Ihre besonderen Bedürfnisse zu machen. So sollten Rollstuhlfahrer beispielsweise auf ebenerdige Zugänge zu Hotels und Restaurants achten, wohingegen Personen, die etwa Probleme beim Sprechen haben, eher auf verständnisvolles Personal angewiesen sind.

Darüber hinaus sollten Sie bedenken, welche Form von etwaiger Hilfestellung oder Pflege Sie benötigen: Brauchen Sie beispielsweise Hilfe beim Anziehen, der Körperhygiene oder bei der Einnahme und Dosierung von Medikamenten, empfehlen sich spezielle Reisen, die zusammen mit einem Betreuerteam durchgeführt werden. Darüber hinaus können auch Pflegedienste vor Ort gebucht werden. In jedem Fall sollten Sie die Kostenübernahme durch die Krankenkasse frühzeitig klären.

Die Planung

Die Planung Ihres Urlaubs können Sie selbstverständlich eigenständig durchführen. Im Internet finden sich viele unterschiedliche Seiten, die etwa bei der Suche nach einem passenden Hotel helfen: So bietet die Website der Stiftung „MyHandicap“ beispielsweise eine kostenlose Suchfunktion für behindertengerechte Hotels in vielen Ländern inner- und außerhalb Europas an.

Sollten Sie jedoch Ideen und Anregungen benötigen, oder nicht so viel Zeit in die Planung investieren wollen, so finden sich mittlerweile viele Reisebüros und -veranstalter, die spezielle Angebote für Menschen mit körperlichen und geistigen Einschränkungen anbieten, oder sich sogar darauf spezialisiert haben.

Auszeichnungen und Zertifizierungen

Eine weitere Hilfestellung bieten Preisauszeichnungen und speziell zertifizierte Angebote: So verleiht beispielsweise das „Zentrum selbstbestimmt Leben“ den „Goldenen Rollstuhl“ an Unternehmen aus der Tourismusbranche, die mit ihrem Angebot auf die speziellen Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen eingehen. Darüber hinaus können Sie auf der Website „Reisen für Alle“ nach zertifizierten Angeboten innerhalb Deutschlands suchen. Die Suche ist dabei auf die folgenden Kategorien ausgelegt:

  • Unterkünfte
  • Gastronomie
  • Unterhaltung und Kultur
  • Freizeit und Sport
  • Verkehr
  • Touristinformationen
  • Messe-, Tagungs- und Veranstaltungsstätten
  • Shopping

Tipps für die Anreise

Falls Sie die Anreise an Ihr Urlaubsziel mit öffentlichen Verkehrsmitteln antreten wollen, sollten Sie auch hier auf spezielle Angebote und Serviceleistungen achten. Die Deutsche Bahn bietet auf ihrer Website im Bereich Reise & Services umfassende Informationen zu barrierefreiem Reisen an. Bitte beachten Sie, dass Sie die Inanspruchnahme von Hilfestellungen rechtzeitig vor Reisebeginn anmelden müssen und sich das Angebot je nach Bahnhof stark unterscheiden kann.

Wenn Sie hingegen eine Flugreise planen, können Sie sich auf den Websites der jeweiligen Flughäfen und Airlines genauer über spezielle Angebote sowie Beförderungsbedingungen informieren. Da das Personal am Flughafen und auch die Kabinencrew häufig unsicher und ungeübt im Umgang mit eingeschränkten Menschen ist, sollten Sie proaktiv vorgehen und das Personal auf Ihre Bedürfnisse und Einschränkungen gezielt hinweisen.

Nichtsdestotrotz sollten Sie der Fluggesellschaft bereits bei der Buchung die wichtigsten Informationen über den Grad Ihrer Einschränkung mitteilen. Wir haben die gebräuchlichsten Codes für Sie zusammengefasst:

  • WCHC (Wheelchair Cabin): Der Passagier kann sich nicht ohne Rollstuhl bewegen. Auch im Flugzeug ist er auf fremde Hilfe angewiesen, kann jedoch auf einem Flugzeugsitz mit aufgestellter Rückenlehne sitzen.
  • WCHR (Wheelchair Ramp): Der Passagier kann kurze Strecken zu Fuß zurücklegen. Er kann Treppen steigen und sich im Flugzeug selbstständig bewegen.
  • WCHS (Wheelchair Steps): Der Passagier kann keine Treppen steigen, sich aber innerhalb des Flugzeugs selbstständig bewegen.
  • BLND (Blind): Der Passagier ist blind oder sehbehindert.
  • DEAF: Der Passagier ist taub.
  • DEAF/MUTE: Der Passagier ist taubstumm.

Rollstühle im Flugzeug

Insbesondere als Rollstuhlfahrer sollten Sie einige zusätzliche Punkte beachten:

  • Die Mitnahme Ihres Rollstuhls sollten Sie rechtzeitig ankündigen.
  • Rollstühle werden bis auf wenige Ausnahmen ausschließlich im Frachtraum transportiert.
  • Die Mitnahme von elektronischen Rollstühlen ist nur unter bestimmten Voraussetzungen möglich. Erkundigen Sie sich daher vor der Buchung bei der jeweiligen Airline über die jeweiligen Bedingungen.

Fazit

Eine Reise zu planen ist für Menschen mit körperlicher oder geistiger Einschränkung mit zusätzlichem Aufwand verbunden. Dank des breiten Angebots an Informationen, Suchen und spezialisierten Reiseunternehmen steht einer unvergesslichen Reise an nahezu jedes beliebige Ziel nichts im Weg. Wir wünschen Ihnen einen erholsamen Urlaub!

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